Hallo!
Hast Du schon mal getwittert? Twitter, der Name des bekannten Kurznachrichtendienstes im Internet, bei dem große Nachrichtenredaktionen, aber auch viele Privatpersonen mitmachen, bedeutet schlicht und einfach "Gezwitscher". Daher ist das Symbol von Twitter auch ein blauer Vogel, der munter draufloszwitschert. Der Clou bei Twitter ist, dass die Mitteilungen, die ich „twittere“, 140 Anschläge auf meiner Computertastatur nicht überschreiten dürfen. Twitter zwingt mich also dazu, das Wesentliche auf den Punkt zu bringen, mich kurz zu fassen, keine langen Ausschweifungen zu machen. Für Prediger übrigens eine sehr gute Schule.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Apostel Paulus ein begeisterter Twitterer gewesen wäre, denn auch er schafft es, das Wesentliche des christlichen Glaubens in prägnanten Kurzformeln auf den Punkt zu bringen. In seinem Ersten Brief an die Gemeinde in Korinth hören wir solch eine Kurzformel, die zugleich als das älteste Auferstehungszeugnis der christlichen Tradition gilt (Du findest sie im 15. Kapitel, V. 3-5). Es ist eine Formel, die nicht von Paulus selbst stammt, sondern die er von anderen empfangen hat – und ganz wissenschaftlich korrekt sagt Paulus das auch. Vielleicht passt die Formel des Paulus nicht in einen einzigen Twittereintrag von 140 Zeichen, aber sie lässt sich durchaus teilen. Und hier kommt der Wortlaut der Kurznachricht:
Christus ist für unsere Sünden gestorben,
gemäß der Schrift,
und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden,
gemäß der Schrift,
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Das ist der älteste Kern dieser Formel. Die weiteren Erscheinungen des Auferstandenen, die Paulus danach aufzählt, incl. seiner eigenen, sind eine spätere Erweiterung.
Was mir neben der Kürze an dieser Formel ins Auge fällt, ist ihr streng symmetrischer Aufbau. Es sind zwei Teile – bei Twitter würde ich sie dementsprechend aufteilen – die exakt parallel aufgebaut sind.
Der erste Teil enthält das Faktum des Todes Jesu: Christus ist gestorben und begraben worden. Mit dem Begräbnis ist klar: er war wirklich tot, nicht nur scheinbar, sondern ganz real. Und das alles ist eingetroffen „gemäß der Schrift“. Das sagt ja auch der Auferstandene den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus: „Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ Auch der Grund, warum Jesus sterben musste, wird genannt: „für unsere Sünden“. Jesus ist so gestorben, wie er gelebt hat: für die Menschen, gerade auch für das, was nicht perfekt an uns ist.
Der zweite Teil enthält nun das Neue, das Wunder der Auferstehung. „Er ist am dritten Tag auferweckt worden“ – der in den Schriften geschulte Leser denkt da sofort an die drei Tage, die der Prophet Jona im Bauch des Fisches verbringen musste - von jeher ein Symbol für die drei Tage, die Jesus im Grab verbringen musste. Und wenn er liest: „er erschien“, dann denkt er sofort an die vielen Gotteserscheinungen, die sich durch die gesamte Heilsgeschichte Israels ziehen. Gott hat sich immer wieder sehen lassen, besonders am Sinai, als er seinem Volk das lebenspendende Gesetz gab.
Eine Kurzformel des Glaubens an den, der nicht im Tod geblieben ist, bietet uns Paulus da an. Eine Formel, die es wert ist, auch heute noch weitergesagt zu werden - warum nicht auch bei Twitter. Wir brauchen ja nicht viele Worte zu machen. 140 Zeichen reichen völlig aus. Eine andere bekannte Kurzformel lautet:
Gott hat Jesus von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.
Das bringt das Wesentliche dessen, was wir an Ostern feiern, auf den Punkt. Kurz und bündig. Eben twitterkonform. Darauf bauen viele Menschen bis heute ihr Leben. Darauf setzen sie. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Die Liebe siegt.
Twitter bleibt übrigens nicht im virtuellen Raum stehen. Es gibt das sog. "Tweetup", ein Treffen von Twitterern in der ganz normalen, realen Welt. Auch Christen leben auf solch ein Tweetup hin - mit Jesus, der auch heute noch unter uns ist.
In diesem Sinne wünsche ich Dir und Ihnen auch im Namen meiner Mitbrüder ein gesegnetes Osterfest!
P. Maurus
Übrigens: Auch Domino twittert hin und wieder. Besuch uns doch mal unter
www.twitter.com/dominocommunity .